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Stechpalmen |
ornis 6/13 Birdlife Schweiz |
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Nicht alle Stechpalme tragen Früchte. Warum ist das so?
Des Rätsels Lösung ist, dass Stechpalmen (Ilex aquifolium) zweihäusig sind. So gibt es weibliche Stechpalmen, die uns im Spätherbst mit ihrer Früchtepracht erfreuen, und männliche Stechpalmen, die keine Früchte tragen. Blütenpflanzen besitzen typischerweise zwittrige Blüten mit männlichen Staubblättern (enthalten Pollen) und weiblichen Fruchtblättern (mit Samenanlage) in der selben Blüte. Bei ein- und zweihäusigen Pflanzen sind die Blüten allerdings eingeschlechtlich. Das heisst, es gibt entweder weibliche Blüten mit Fruchtblättern oder männliche Blüten mit Staubblättern. Bei einhäusigen Pflanzen sitzen die männlichen und weiblichen Blüten auf der gleichen Pflanze, während sie bei zweihäusigen wie der Stechpalme auf verschiedene Pflanzen verteilt sind. Interessanterweise konnte schon festgestellt werden, dass Stechpalmen ihr Geschlecht wechseln können. Dies ist möglich, da jeweils Rudimente der Blütenorgane des anderen Geschlechts noch vorhanden sind. Die roten Früchte der Stechpalmen sind sogenannte Steinfrüchte und enthalten je vier Samen. Nach mehrmaligem Frost werden sie weich und sind für Vögel wie Amseln und Rotkehlchen eine beliebte und wertvolle Winternahrung. Für uns Menschen sind sie aber giftig; schon fünf Früchte können bei Kindern starke Vergiftungssymptome wie Fieber, Erbrechen und Durchfall auslösen.
Aus Ornis 6/13, Magazin des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz |